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Wovon leben wir? – Teil 1: seelische Beziehungen

Wir erleben aktuelle eine Zeit großer, weltweiter Verunsicherung. Doch sollten wir als Christen in genau solchen Zeiten nicht den Kopf in den Sand stecken, sondern Gott umso mehr suchen und hören, was er uns gerade jetzt zu sagen hat. Ich bin überzeugt davon, dass Gott jede Situation in dieser Welt völlig in der Hand hat, auch die jetzige, und ich bin ebenso davon überzeugt, dass Gott alle Umstände auf der Welt lenkt und leitet und uns als Gemeinde in jeder Situation etwas zu sagen hat. In Jeremia 6 wird ein Szenario extremer Verwüstung und Zerstörung beschrieben. In mitten dieser Situation ruft Gott: „Darum hört, ihr Nationen, und erkenne du Gemeinde.“ Die Nationen hören lediglich, was auf der Erde geschieht, aber die Gemeinde soll erkennen. Das heißt, sie soll die Situation aus Gottes Sicht verstehen und daraus lernen, was Gott der Gemeinde durch die herrschenden Umstände zu sagen hat.

Als Christen bekennen wir oft und viel, dass „alle Dinge uns zum besten dienen müssen“. Wollen wir den Glauben haben, dass auch die jetzigen Umstände uns zum besten dienen, ja, Gottes Pläne mit uns als seinem Leib voranbringen können? Ich bin davon überzeugt, dass der Geist Gottes gerade jetzt zu uns sprechen und durch die derzeitige furchtbare Lage seine Absichten mit uns verwirklichen möchte. Der Herr möchte in dieser Zeit seine Gemeinde bauen.

In den letzten Jahrhunderten haben Männer und Frauen Gottes wichtige Wahrheiten des Glaubens wiederentdeckt. Sie haben entdeckt, dass jeder Mensch einen persönlichen Glauben an Jesus braucht, dass sich bekehrte, gläubige Menschen taufen lassen sollten, sie entdeckten die Geistestaufe und die Geistesgaben wieder. In unserer Zeit scheint mir, dass der Heilige Geist den Fokus auf die Gemeinde als Ganzes legt. Gott möchte, dass seine Gemeinde so herrlich und kraftvoll wird, wie wir sie in der Apostelgeschichte sehen.

Wollen wir ein Teil dieser echten, kraftvollen Gemeinde sein, die in der Lage ist, wie die ersten Christen vor 2000 Jahren die Welt um sich herum zu verändern und Menschen für Gottes Reich zu gewinnen? Dann müssen wir gerade jetzt, in dieser Zeit verstehen, was diese Gemeinde des lebendigen Gottes eigentlich ist. Wir müssen quasi die „DNA“ der Gemeinde verstehen. Dazu möchte ich im Folgenden einen Aspekt (von sehr vielen Aspekten!) aufzeigen, der uns zu einem Teil dieser wunderbaren, kraftvollen Gemeinde machen kann.

In 1. Korinther 2,14 schreibt Paulus: „Ein natürlicher Mensch aber nimmt nicht an, was des Geistes Gottes ist, denn es ist ihm eine Torheit, und er kann es nicht erkennen, weil es geistlich beurteilt wird.“ Das Wort „natürlich“ heißt eigentlich „seelisch“. Paulus spricht hier von einem seelischen Menschen, der Geistliches nicht versteht, weil er eben seelisch ist. Hier sehen wir ein wichtiges Prinzip der Bibel: Das Seelische (oder Natürliche) versperrt immer die Sicht auf das Geistliche. Die Gemeinde ist eine geistliche Sache, die man mit einer seelischen Sichtweise nicht verstehen kann. Deswegen ist es unbedingt nötig, dass wir keine seelischen Menschen mit seelischen Sichtweisen, sondern geistliche Menschen mit einer geistlichen Sichtweise sind.

Dies möchte ich an einer Person der Bibel erläutern, die sehr seelisch war. Es geht um Maria, die Mutter Jesu. An der Beziehung zwischen Jesus und Maria können wir so viel lernen! Um es vorweg klarzustellen: Der Heilige Geist redet in der Bibel grundsätzlich positiv von Maria. So nennt der Engel Gabriel sie in Lukas 1,29 eine „Begnadigte“ und verspricht ihr, dass Gott mit ihr sei. Kurz darauf versichert er ihr: „Du hast Gnade bei Gott gefunden.“ In Lukas 2 wird sie als umsichtige Gläubige beschrieben: „Maria bewahrte all diese Worte und erwog sie in ihrem Herzen.“

Aber doch sehen wir in eben diesem Kapitel auch eine andere Seite von Maria. In Vers 21 finden wir Maria und Joseph zusammen mit ihrem neu geborenen Baby im Tempel, um das im Gesetz geforderte Opfer für ihren Sohn darzubringen. Dort begegnen sie Simeon, einem Mann der „durch den Geist in den Tempel“ kam. Er hatte von Gott die Zusage erhalten, vor seinem Tod den Messias zu sehen. Als er Jesus, dieses kleine Baby, sah sprach er: „Nun, Herr, entlässt du deinen Knecht nach deinem Wort in Frieden; denn meine Augen haben dein Heil gesehen, das du bereitet hast im Angesicht aller Nationen.“ Simeon erkennt in diesem kleinen Baby das Heil der Welt! Dieser Simeon sah nicht in erster Linie, was vor Augen ist. Er war kein seelischer Mensch, sondern ein geistlicher und deshalb konnte er sogar dieses „niedliche, kleine Baby“ geistlich beurteilen. Es heißt über ihn sogar, dass „der Heilige Geist auf ihm“ war – eine erstaunliche Aussage, wenn man bedenkt, dass Jesus noch gar nicht zum Vater gegangen war!

Dieser Simeon prophezeit über Jesus an Maria gewandt: „Siehe, dieser ist gesetzt zum Fall und Aufstehen vieler in Israel und zu einem Zeichen, dem widersprochen wird – aber auch deine eigene Seele wird ein Schwert durchdringen –, damit die Überlegungen aus vielen Herzen offenbar werden.“ Was hat es mit dem Schwert auf sich, das Marias Seele durchdringen sollte? Viele meinen, dass damit die Schmerzen gemeint sind, die Maria erleiden musste, weil sie miterleben sollte, wie Jesus, ihr Sohn, leiden und sterben musste. In der katholischen Kirche gibt es sogar einen Gedenktag der „Schmerzen Mariens“, welche auch als „Schmerzensmutter“ verehrt wird. Aber es geht bei diesem Schwert überhaupt nicht um den seelischen Schmerz der Mutter Maria. Diese Worte sind eingebettet in die Aussage, dass „die Überlegungen aus vielen Herzen offenbar werden“ sollten – auch aus dem Herzen Marias. Bitte merke dir dieses Schwert, es wird noch einmal auftauchen.

Wir bleiben noch einen Moment in Lukas 2. Hier sehen wir nämlich auch den zwölfjährigen Jesus mit seinen Eltern beim Passahfest in Jerusalem. Jesus saß im Tempel und versetzte durch seine Worte alle in staunen, die ihm zuhörten. Er sprach im Geist Gottes und alle, „die ihn hörten, gerieten außer sich über sein Verständnis und seine Antworten“. Während seelische Personen oft orientierungslos dahinleben, haben geistliche Personen ein tiefes Verständnis von Gottes Zusammenhängen. Joseph und Maria waren schon aufgebrochen und merkten erst nach einer Tagesreise, dass Jesus nicht bei ihnen war. Sie kehrten um und fanden Jesus im Tempel. Dann heißt es in Vers 48: „Und als sie ihn sahen, wurden sie bestürzt; und seine Mutter sprach zu ihm: Kind, warum hast du uns das getan? Siehe, dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesucht.“ Doch Jesus entgegnete ihnen: „Was ist es, dass ihr mich gesucht habt? Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meines Vaters ist?“ Und dann folgt jenes unvorteilhafte Urteil über Maria und Joseph: „Und sie verstanden das Wort nicht, das er zu ihnen redete.“

Maria war von ihrer ganzen Sichtweise her völlig seelisch. Aber wie war das möglich? Sie hatte Jahre zuvor Besuch von einem Engel Gottes persönlich bekommen, der ihr verkündete, dass ihr Sohn der Retter Israels sein sollte. Sie hatte die Prophezeiungen von Simeon gehört, sie hatte erlebt, wie Elisabeth, die Mutter von Johannes dem Täufer im Heiligen Geist über sie prophezeit hatte und sie selbst hatte in dieser Situation voller Glauben ausgerufen: „Meine Seele erhebt den Herrn, und mein Geist hat frohlockt in Gott meinem Heiland.“ Dieselbe Maria steht nun völlig aufgelöst vor Jesus und sagt: „Kind (!), warum hast du uns das getan?“ Sie erzählt ihm völlig seelisch, dass sie und sein Vater Joseph (!) ihn „mit Schmerzen“ gesucht haben.

Schauen wir uns dagegen die Antwort von Jesus an: „Was ist es, dass ihr mich gesucht habt?“ Jesus deutet an, dass es überhaupt keinen Grund gab ihn zu suchen, weil er doch die ganze Zeit an dem Ort war, der seinem wirklichen Vater gehörte. Wir sehen hier ein Gespräch auf zwei völlig unterschiedlichen Ebenen. Marias Problem war nicht, dass sie nicht gläubig war oder sich nicht für Gott interessierte. Sie war immer noch eine von Gott „Begnadete“. Ihr Problem war, dass sie eine völlig seelische Beziehung zu Jesus hatte. Rein menschlich gesehen können wir Maria verstehen: Maria sah in Jesus ihr „Kind“ und sie nennt Joseph den Vater von Jesus. Als Mutter macht sie sich Sorgen um ihr Kind, aber aufgrund dieser seelischen Beziehung zu Jesus ist sie überhaupt nicht in der Lage, zu erkennen, wer Jesus eigentlich ist, obwohl sie doch alles schon lange im Vorraus gehört hatte.

Warum antwortete ihr Jesus so eigenartig, indem er sagt: „Was ist es, dass ihr mich gesucht habt?“ Wollte Jesus seinen Eltern eine freche Antwort geben? Wohl kaum. Direkt in den folgenden Versen heißt es, dass Jesus mit ihnen ging und ihnen sogar „untertan“ war. Jesus antwortet Maria und Jospeh „Warum habt ihr mich überhaupt gesucht“, weil er wollte, dass Maria über ihre seelische Sichtweise hinauskommt und erkennt, wer er wirklich ist. Deshalb spricht er auch im Gegensatz zu Maria, die Joseph als Vater von Jesus bezeichnet, von seinem wahren Vater.

In Johannes 2 finden wir eine Situation, die dies noch eindrucksvoller zeigt. Hier wird die Hochzeit zu Kana beschrieben, bei der sowohl Maria als auch Jesus und seine Jünger eingeladen waren. In Vers 3 heißt es: „Und als es an Wein mangelte, spricht die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein.“ Jesus antwortet ihr darauf mit diesen eindrücklichen Worten: „Was habe ich mit dir zu schaffen, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen.“ Wie kann Jesus nur auf so eine Art und Weise mit seiner Mutter sprechen? Ich habe Prediger schon sagen hören, dass Jesus hier nun wirklich übertrieben hat. Bitte bedenke: Es handelt sich um eine Szene in der jüdischen Antike, nicht um ein Gespräch zwischen einem heutigen Teenager und seiner Mutter! In der Antike war es faktisch undenkbar, mit seinen Eltern derart „unhöflich“ zu reden. So etwas gab es einfach nicht!

Natürlich kannte Jesus das Gebot seines Vaters, dass man seine Eltern ehren sollte. Wie passt dieses Gebot dann damit zusammen, dass er zu seiner Mutter sagt: „Was habe ich mit dir zu schaffen?“ und sie dann noch ganz lapidar „Frau“ nennt? Diese Stelle müssen wir erklären können. Wir haben nicht die Wahl, einfach darüber hinwegzulesen.

Jesus wandelte auf Erden ständig in Gottes wunderbarer Gegenwart und war völlig erfüllt mit der Liebe und der Barmherzigkeit Gottes. Jesus war die Liebe in Person, die diese kalte, gleichgültige Erde berührte. In allem, was er sprach und tat, sehen wir eine Güte und Liebe, die zu Tränen rührt. Und diese Situation hier, bei der Hochzeit zu Kana, bildet keine Ausnahme dazu! Gerade weil Jesus Maria so sehr liebte, sprach er mit ihr auf diese Weise.

Die Formulierung „Was habe ich mit dir zu schaffen?“ heißt wörtlich übersetzt eigentlich: „Was ist mir und dir gemeinsam?“ Jesus wollte, dass Maria die Wahrheit erkennt, die sie durch ihre seelische Beziehung zu Jesus nicht erkennen konnte. Jesus sagte Maria ganz deutlich, dass er eigentlich nichts mir ihr gemeinsam hatte. Und deshalb nennt er sie nicht „Mutter“, sondern „Frau“. Denn sie war eine ganz normale Frau, die Jesus als persönlichen Retter erkennen musste, und die keinen Anteil an Jesus haben würde, wenn sie ihn nicht als diesen Retter erkennt. Sie sollte wegkommen von ihrer seelischen Sichtweise, dass Jesus ihr Sohn war, um den sie sich kümmern musste wie eine Mutter. Stattdessen sollte sie zu einer geistlichen Sichtweise gelangen, dass sie geistlich nichts mit ihm gemeinsam hatte, damit der Weg frei war, in ihm, obwohl er als ihr Sohn geboren worden war, ihren eigenen, persönlichen Retter zu erkennen.

Das war das wirkliche Schwert, das durch Marias Seele dringen sollte. Es ging bei diesem Schwert nicht um die emotionale Vorstellung, dass Maria als „Schmerzensmutter“ mit ansehen musste, dass ihr „Sohn“ am Kreuz stirbt. Es ging nicht darum, dass ihre „arme Seele“ leiden würde, wie unzählige mittelalterliche und neuzeitliche Gemälde und Altarbilder vermitteln wollen.

Das Schwert, das ihre Seele durchdringen sollte ist das gleiche wie in Hebräer 4,12: „Denn das Wort Gottes ist lebendig und wirksam und schärfer als jedes zweischneidige Schwert und durchdringend bis zur Scheidung von Seele und Geist, sowohl der Gelenke als auch des Markes, und ein Richter der Gedanken und Gesinnungen des Herzens.“ Dieses Schwert hat die Aufgabe „Seele und Geist“ zu scheiden. Dieses Schwert ist das Wort Gottes. Jesus, der hier ebenso wie in jeder anderen Situation völlig im Geist war, sprach dieses Wort zu ihr und diese Wort sollte in ihr „Seele und Geist“ scheiden. Es sollte ihre seelische Beziehung zu Jesus durchtrennen, damit sie eine geistliche Beziehung zu Jesus haben konnte.

An dieser Stelle heißt es auch, dass dieses Schwert ein „Richter der Gedanken und Gesinnungen des Herzens“ sei. Das Wort für Richter heißt von seiner Grundbedeutung her „jemand, der zwischen zwei Dingen unterscheiden kann“. Dies korrespondiert völlig mit der Prophetie Simeons, dass „die Überlegungen aus vielen Herzen offenbar werden“ sollten. Das Schwert des Geistes trennt unsere seelischen oder natürlichen Sichtweisen und lässt uns die geistlichen Dinge erkennen. Und dieses Schwert muss auch an uns wirken. Was meine ich damit?

Wir müssen etwas Grundsätzliches verstehen. Die Bibel spricht davon, dass wir, wenn wir Jesus in unser Leben aufnehmen, „von Neuem“ geboren werden (Johannes 3,3). Dies ist keine Floskel, sondern eine geistliche Realität. Wenn du „von Neuem“ geboren bist, dann bist du tatsächlich „eine neue Kreatur“ (2. Korinther 5,17) und Gott möchte, dass du in der „herrlichen Freiheit der Kinder Gottes“ (Römer 8, 21) wandelst. Dieses neue Leben wird überall im Neuen Testament beschrieben. Wir sind nun „aus Gott geboren“ (Johannes 1,13) und damit haben wir geistlich gesprochen eine neue „DNA“, da wir nun Kinder Gottes sind. Wir sind keine adoptierten Kinder, die der Pflegevater aus Barmherzigkeit in seiner Familie neben seinen leiblichen Kindern duldet, sondern wir sind durch die neue Geburt tatsächlich echte Kinder Gottes geworden.

Doch wie viele Christen kämpfen mit ihrem alten Leben, alten Gewohnheiten und auch mit ihren seelischen Beziehungen zu ihren unbekehrten Verwandten? Ich kenne persönlich Menschen die sehr stark gebunden sind an ihre eigene Familie und deren Geschichte. Sie haben dieselben schlechten Gewohnheiten, Süchte, Krankheiten und so weiter. Manche haben sich vorgenommen, niemals so zu werden wie ihre Eltern und doch werden sie genau so. Es ist, als hätten sie mit aller Kraft versucht, ihrem Schicksal zu entkommen, und wurden dann mit einem unsichtbaren Gummiband wieder zurückgezogen.

Aber das muss nicht so bleiben. Wir müssen nicht durch seelische Beziehungen gebunden bleiben. Wenn du „von Neuem“ geboren bist, will Gottes Wort auch zu dir kommen, um „Seele und Geist“ zu scheiden.

Ich kenne einen jungen Mann, der die gleichen Probleme hatte, wie alle in seiner Familie. Er hatte die gleichen Allergien wie seine Familie, er hatte die gleichen unidentifizierbaren Krankheiten wie seine Familie und kam in seinem Leben ebenso wenig voran. Er versuchte über Jahre hinweg erfolglos eine Ausbildung abzuschließen. Und er war in derselben Sucht gebunden wie sein Vater. Dabei waren die Mitglieder seiner Familie sogar Christen. Eines Tages zeigte Gott uns durch eine Bibelstelle, dass seine Mutter ihn völlig seelisch an sich gebunden hielt, obwohl er schon ein erwachsener Mann war. Im Namen Jesu durchtrennten wir diese Seelenverbindung zwischen Mutter und Sohn, die rein menschlich gesehen völlig normal zu sein scheint, aber dieser junge Mann gehörte Jesus und war ein Kind Gottes.

Wir hatten noch nicht mal ein Gebet gesprochen, sondern dies einfach im Namen Jesu ausgesprochen. Die Mutter dieses jungen Mannes wusste nicht einmal etwas davon, aber dennoch veränderte sich sein Leben total: Seine Unverträglichkeiten und Krankheiten verschwanden, er konnte in ganz normaler Zeit eine Ausbildung absolvieren und auch von seiner Sucht wurde er in einem einzigen Augenblick befreit! Gott hatte an seinem Kind ein Wunder getan!

Um es einmal ganz deutlich zu sagen: Marias seelische Bindung an Jesus war eine ganz natürliche Sache im wahrsten Sinne des Wortes. Obwohl sie all die Verheißungen über Jesus gehört hatte, sah sie natürlich in erster Linie ihren Sohn vor sich, den sie liebte wie eine Mutter ihr Kind und um das sie sich sorgte. Aber durch genau diese natürliche oder seelische Perspektive, die man menschlich gut verstehen kann, sah sie nicht, wer Jesus wirklich war. Genau dieses Problem haben auch viele Christen, wenn sie entweder auf sich selbst oder auf ihre Verwandten schauen: Sie schauen mit ihren seelischen Augen auf ihre seelischen Beziehungen zu ihren Verwandten oder sehen sich selbst aus dieser Perspektive.

Und deshalb spielt die einfache Tatsache, dass wir „aus Gott“ (Johannes 1,13) geboren sind, im Leben vieler Christen und ihrer Beziehungen zu anderen nicht die tragende Rolle, die sei eigentlich spielen sollte. Dies ist ein Grund dafür, dass wir diese wunderbaren und befreienden Auswirkung der neuen Geburt nicht in vollem Maß er erleben.

Ebenfalls im Hebräerbrief finden wir die Beschreibung einer interessanten Person mit Namen Melchisedek. Dieser Melchisedek tauchte schon im ersten Buch Mose im Zusammenhang mit Abraham auf. Er wird als König und Priester beschrieben. In Hebräer 7,3 heißt es über diese mysteriöse Figur: „Er gleicht dem Sohn Gottes und bleibt Priester immerdar.“ Auch wir sollen dem Sohn Gottes gleich werden und seine Priester sein. Dazu hat Gott uns aus der Welt erlöst und neugeboren.

In demselben Vers heißt es über diesen Melchisedek aber auch: „Ohne Vater, ohne Mutter, ohne Geschlechtsregister, hat er weder Anfang der Tage noch Ende des Lebens.“ Diese Beschreibung, „ohne Vater, ohne Mutter, ohne Geschlechtsregister“, trifft genau das, was Gott für uns getan hat. Wenn wir Gottes Geschenk annehmen wollen und sein Schwert akzeptieren und in uns wirken lassen, dann werden wir von diesen Altlasten abgeschnitten sein, als wären wir „ohne Vater, ohne Mutter, ohne Geschlechtsregister“, aber dafür „Priester immerdar“. Gott hat uns eine neue DNA gegeben, durch die wir frei sind, als wären wir ohne Geschlechtsregister. Wir können quasi völlig von vorne anfangen.

Nun magst du entgegnen: „Aber ich liebe doch meine Eltern“ oder „ich liebe doch meine Kinder“. Ja, das ist auch gut und richtig so, aber siehst du sie auch so, wie Gott sie sieht? Oder anders gefragt, siehst du die Realität? Einer der größten Erweckungsprediger der Geschichte sagte einmal, dass er einfach nicht hören könnte, wie Eltern für ihre Kinder beten. Diese würden nämlich immer beten: „Ach Herr, segne meinen lieben Sohn oder meine liebe Tochter. Sie sind so gute Menschen. Behüte sie doch auf ihren Wegen und gib ihnen dieses und jenes. Und ja, führe sie doch am Ende auch noch zu dir.“

Dieser Mann sagte, dass solche Gebete wohl niemals erhört werden. Er sagte auch, dass wir eine echte Sicht auf unsere Kinder oder unsere Eltern und Geschwister brauchen, um wirklich für sie beten zu können! Erst wenn wir unsere nette, seelische Sichtweise auf unsere Kinder, Geschwister oder Eltern ablegen, wenn Gott unsere seelischen Beziehungen durchtrennen darf, werden wir unsere Verwandten mit Gottes Augen geistlich sehen. Wir werden sehen, dass sie arme, elende Sünder sind, die den Tod verdient haben. Und wir werden sehen, dass das Wichtigste überhaupt ist, dass sie gerettet werden und Jesus begegnen, der allein ihrem Leben einen Sinn geben kann. Und dann werden wir auch in rechter Weise für sie beten können!

Vielleicht denkst du jetzt, dass dies bedeutet, dass du deine Eltern, Geschwister oder Verwandten nicht mehr lieben wirst, wenn du keine seelische Beziehung zu ihnen mehr hast. Aber wenn dieses Schwert bei dir zwischen Seele und Geist trennen darf, dann wirst du diese Menschen mit Gottes Augen sehen und du wirst Gottes unfassbare Liebe sehen, die diese Menschen berühren möchte und – glaube mir – du wirst weinen, wenn du diese unglaubliche Liebe siehst. Gott liebt die Menschen um dich herum zehntausend Mal mehr als du es jemals können wirst. Und Gott möchte, dass du ein Gefäß für seine wunderbare Liebe zu den Menschen wirst.

„Aber wir sollen doch unsere Eltern ehren“, mag nun jemand sagen. Gerade jetzt in dieser Weihnachtszeit, wo jeder seine Verwandten besucht, scheint dies besonders wichtig zu sein. Doch da muss ich fragen: Bedeutet es seine Eltern zu ehren, wenn man in diesen Tagen ein nettes, freundliches Weihnachtsfest miteinander feiert und alle gut miteinander auskommen uns wenn man dann keine strittigen Themen anspricht, damit „der Haussegen nicht schief hängt“. Ist es uns dieses nette, oberflächliche, seelische Miteinander wirklich wert, dass wir darüber vergessen, dass unsere Verwandten, die Jesus nicht haben, die Ewigkeit in der Hölle verbringen werden? Können wir wirklich guten Gewissens, „mit unsere Lieben“ ein seelisches Weihnachten feiern, obwohl sie irgendwann ohne einen Retter für immer verloren gehen? Und letztendlich muss ich fragen: Ist das, was wir am „Fest der Liebe“ für Liebe halten, wirklich echte Liebe?

Jesus wahr voller Liebe und Mitleid für Maria und deshalb nahm er dieses Schwert „zur Scheidung von Seele und Geist“, damit Maria ihn erkennen konnte. Aber damit ist die Geschichte nicht zu Ende. Es handelt sich um ein biblisches Prinzip, dass Gott, wenn er uns aus etwas hinausbringt, auch immer in etwas Neues hineinbringen möchte. Gott will uns nicht nur von unseren seelischen Beziehungen und Sichtweisen frei machen, sondern er möchte auch etwas an diese Stelle setzen. Dieses Neue ist noch viel herrlicher als die Befreiung von dem Alten. Aber darum wird es im zweiten Teil gehen. Dazu werden wir uns auch ansehen, wie es mit Maria weitergeht.

So bleibt zum Schluss nur die Frage: Willst du, dass dieses Schwert in deinem Leben wirkt? Dann komm mit diesem Wunsch zu Gott und bitte ihn darum, dass er mit seinem Schwert deine seelischen Beziehungen durchtrennt, damit der Weg für das Geistliche frei wird. Viele Christen wünschen sich, dass ihre Eltern, Geschwister oder Kinder sich zum Herrn bekehren. Doch ich glaube, dass wir als Christen einen Anteil an dieser Bekehrung haben. Wenn wir unsere seelischen Beziehungen zu unseren Verwandten pflegen und erhalten wollen, stellen wir ein Hindernis für Gottes Pläne mit diesen Menschen dar.

Sind wir bereit, zu erkennen, dass wir durch unsere neue Geburt, eigentlich nichts mehr mit unseren Verwandten gemeinsam haben? So wie Jesus zu Maria sagte, „Was habe ich mit dir zu schaffen, Frau?“, ist es auch bei uns und unseren Verwandten. Das bedeutet nicht, dass wir nicht mehr nett zu ihnen sein sollen oder so etwas. Es geht eigentlich gar nicht in erster Linie darum, dass wir uns irgendwie anders verhalten, sondern um eine veränderte Herzenshaltung. Es geht darum, einen unbequemen Weg zu gehen und es geht darum, dieses nette, gefühlsbetonte, seelische Etwas aufzugeben und der Wahrheit Raum zu geben. Und diese Wahrheit über die Menschen um uns herum wird sowohl uns als auch sie frei machen (Johannes 8,32).

Wenn du dies alles möchtest, dann bitte Gott jetzt, mit seinem Schwert „Seele und Geist“ in dir zu trennen. Bringe ihm all die Menschen, zu denen du eine seelische Beziehung hast und bitte Gott darum, dir eine geistliche Sichtweise zu geben. Er wird es tun!

Vielleicht merkst du jetzt (Es muss aber nicht so sein!), dass du Menschen seelisch gebunden hältst oder selbst gebunden bist. In Hesekiel 13 spricht Gott zu gewissen Personen, die „Binden zusammennähen für alle Handgelenke und Kopfhüllen machen für Köpfe jedes Wuchses, um Seelen zu fangen.“ Was auch immer diese eigenartige Praxis genau war, es ging dabei um Egoismus, denn diese Personen wollten „Seelen für euch selbst am Leben erhalten.“ Das ist der eigentlich Kern seelischer Beziehungen: Es geht meist gar nicht um den anderen, sondern nur um einen selbst und die eigenen Befindlichkeiten und Gefühle.

Das Problem daran ist nur, dass wir andere Menschen, wenn wir sie seelisch an uns binden, ein Stück ihrer Freiheit berauben: „Darum so spricht der Herr, Herr: Siehe, ich will an eure Binden, in denen ihr die Seelen wie Vögel fangt, und will sie von euren Armen wegreißen. Und ich lasse die Seelen los, die ihr fangt, die Seelen, dass sie wegfliegen. Und ich reiße eure Kopfhüllen weg und rette mein Volk aus eurer Hand, damit sie in eurer Hand nicht mehr zur Jagdbeute werden.

Gott spricht hier davon, dass es sein Volk ist, welches von Menschen gebunden wurde. Wenn wir „von Neuem“geboren sind, hat niemand mehr das Recht, uns seelisch zu binden, da wir seine Kinder sind. Aber Menschen, die andere seelisch binden, machen diese zur „Jagdbeute“, obwohl sie eigentlich frei wie „Vögel“ sein sollten. Nicht selten kommt es beispielsweise wie weiter oben beschrieben vor, dass Mütter (auch christliche!) ihre Söhne seelisch an sich binden, wodurch diese nicht mehr völlig frei sind. Was das für die Ehe dieser Söhne bedeutet, kann man sich vorstellen! Doch Gott möchte dies mit seinem Schwert durchtrennen.

Wenn du also merkst, dass du andere so bindest oder selbst gebunden bist, rate ich dir, dass du damit zu Gott gehst. Am besten nimmst du dir jemanden hinzu, der Gott gut kennt. Tritt vor Gott und bitte ihn um Verzeihung, dass du in solch einer seelischen Beziehung gelebt hast und deshalb nicht alle seine wundervollen Wege für dich und die Menschen um dich herum erkannt und gelebt hast. Wenn du selbst gebunden bist, dann durchtrenne im Namen von Jesus diese ganzen seelischen, menschengemachten Beziehungen und Bindungen und glaube ihm, dass geschieht, was du in seinem Namen erbittest! Er tut, worum du ihn bittest. Du wirst in nächster Zeit ganz sicher einen Unterschied feststellen.

Wenn du selbst andere gebunden hältst, dann tue, was in Jesaja 58 beschrieben wird. Dort geht es darum, wir Gläubige sich gegenüber anderen verhalten sollten und dort heißt es in Vers 6: „Ist nicht das ein Fasten, an dem ich Gefallen habe: Lass los, die du mit Unrecht gebunden hast, lass ledig, auf die du das Joch gelegt hast! Gib frei, die du bedrückst, reiß jedes Joch weg!“ Es kann emotional schwierig sein, Personen loszulassen, die man so eng an sich gebunden hat, aber hier steht, dass es „Unrecht“ ist. Der andere soll frei sein, Gott zu dienen und für ihn zu leben, deshalb musst du, wie es hier steht, jeden Menschen loslassen und freigeben. Sage Gott einfach, was du getan hast und dass du das von jetzt an nicht mehr tun wirst. Gott ist gnädig und vergibt sehr gern!

Wenn wir frei sind von seelischen Sichtweisen und Bindungen, sind wir bereit für das, was Gott uns eigentlich bereitet hat!

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